Hamburg Mammut Marsch

Ich hatte euch vor einiger Zeit von einem Nachtmarsch erzählt. Marschieren ist vollkommen anders als Laufen. An diesem Wochenende habe ich zum ersten Mal an einer offiziellen Wanderveranstaltung teilgenommen, dem Little Mammut in Hamburg. Ariane und ich hatten uns für die kurze, die Marathon-Distanz (42 km) angemeldet. Wir waren beide nicht besonders fit und hatten uns vorgenommen, so weit zu marschieren, wie uns unsere Füße tragen würden. Lene, Steffi und Heike hatten sich als erfahrene Wandererinnen die 60-km-Strecke vorgenommen.

Hamburg Mammut – der Start

Die erste Etappe

Unser Start war morgens um 7 Uhr. Das bedeutete Aufstehen um 5 Uhr und ein mäßiges Lunchpaket. Zum Glück gab es guten Kaffee und einen freundlichen Hotel-Rezeptionisten, der uns zusätzlich mit Brötchen und Marmelade versorgte.

Anders als bei den (wenigen) Laufveranstaltungen, an denen ich teilnehme, war die Stimmung sehr entspannt udn es gab keine Aufregung, keine Blicke zu den Laufuhren, kein nervöses Warmmachen. Die Teilnehmer/-innen trugen überwiegend bequeme Wanderkleidung, leichte Wanderschuhe oder Laufschuhe. Jede/r hatte einen Wanderrucksack mit Verpflegung und Ausrüstung für den langen Wandertag bei sich.

Schließlich ging es los und die Startgruppe ging entspannt auf die große Reise. Warum soll man sich auch beeilen, wenn man 8-9 Stunden unterwegs ist? Ich fand die Stimmung deutlich sympathischer als die Aufregung bei den Läufen, bei denen es um die Jagd nach Sekunden und das Seelenheil mit einer guten PB (persönliche Bestzeit) geht. Hier können sich die Läufer/-innen einiges abschauen.

Wir waren also auf der Strecke und marschierten in Richtung Hafen. Hamburg zeigte sich von seiner besten Seite, Sonnenschein, leichte Brise, Speicherstadt, Elbphilharmonie, Jungfernstieg, Landungsbrücken. Als bekennender Morgenmuffel musste ich zugeben, dass es früh am Morgen wirklich schön war. Ariane und ich haben die ganze Zeit geredet und waren überrascht, wie schnell wir den ersten Verpflegungspunkt (VP) erreichten. Wir legten eine Pause ein, setzten uns auf eine Bank mit Hafenblick und beobachteten die Schiffen.

Morgenstimmung im Hafen bei Kilometer 10

Hier sei mir Kritik erlaubt – die VP waren unterirdisch. Lieblos, wenige trockene Riegel, Wasser und sonst nichts. Der zweite VP war so schlecht ausgeschildert, dass wir ihn nicht fanden, und der dritte VP war genauso schlecht, nur dass es hier zusätzlich lauwarmen Zitronentee gab. Wir wurden noch nicht einmal mit ISO-Getränk, dem Standard einer jeden Veranstaltung versorgt. Liebe Veranstalter: Die Wanderer/-innen sind 8-12 Stunden unterwegs und Ihr versorgt sie derart dürftig? Dann packt lieber noch ein paar Euro auf das üppige Startgeld und versorgt uns angemessen. Und gebt uns kalte Getränke im Sommer, keine lauwarmen. Und bitte versteckt die VPs nicht, sondern gestaltet sie so, dass man sie auch finden kann! Hier gab es viel Luft nach oben.

Entlang der Elbe

Wir marschierten weiter, die Elbe entlang und verließen das Hafengebiet. Es ging an den sandigen Ufern des Elbstrandes entlang, durch entzückende Wohnviertel mit kleinen gepflegten Häusern und Gärten – vermutlich allesamt Millionenobjekte. Überhaupt fiel uns der Reichtum dieser Stadt auf: Villen, Geschäftsbauten, die City – Hamburg ist eine schicke Stadt für reiche Leute. Das ist toll für Touristen wie uns, aber wo bleiben die normalen Menschen?

Grafiti am Volkspark bei Kilometer 25
Besuch beim HSV. Die Jungs trainierten auch.

Parks und Schrebergärten

Der zweite Teil unserer Reise führte uns durch die Parks und Schrebergärten im Westen der Stadt. Dieser Teil der Stadt ist sehr grün, ebenfalls gepflegt und kam uns Landmenschen vertraut vor. Hier begannen wir zu diskutieren, wie weit wir wohl noch laufen würden. Meine Füße und Arianes Hüften begannen zu schmerzen, ohne uns aber allzu sehr zu behindern. Wir waren nun jenseits der 20 Kilometer und überrascht, wie gut es uns ging. Sollten wir etwa die ganze Strecke bewältigen? Wir waren uns einig, von Abschnitt zu Abschnitt zu denken und die Entscheidung über einen Abbruch kurzfristig zu treffen.

Marsch durch die Schrebergärten

An dieser Stelle verpassten wir den zweiten Verpflegungspunkt und wir wissen bis jetzt nicht, was dort schiefgelaufen war. Naja, uns fiel der Verzicht auf trockene Riegel und lauwarmes Wasser nicht allzu schwer – das hatten wir selbst mit! Wir machten daraufhin im Volkspark eine Rast in einem Holzpavillon, tauschten miteinander die mitgebrachten Süßigkeiten und Würstchen und pflegten die erschöpften Glieder. Das war viel schöner als der verpasste VP.

Entlang von Binnen- und Außenalster

Der dritte Teil der Strecke war ohne Zweifel der spektakulärste. Wir marschierten an Außen- und Binnenalster entlang, sahen auf dem Wasser viele junge Menschen auf Schlauchbooten oder als Stehpaddler. Auf den Wiesen waren kleine und größere Grüppchen verstreut und zahlreiche Spaziergänger bevölkerten die Wege. Familien und junge Leute prägten das Bild. Die Außenalster ist an dieser Stelle ziemlich breit, auf dem Wasser schwammen Segelboote, wir beobachteten einen Graureiher und andere Vögel (Kormorane)? Im Licht der Nachmittagssonne erinnerte mich die Szene an den Central Park in New York, nur standen an dort nicht große Wolkenkratzer, sondern altehrwürdige Hamburger Prachtbauten.

Wasserspaß an den Kanälen der Außenalster
Die Außenalter – fast wie der Central Park
Die Außenalter – fast wie der Central Park – Kilometer 35

Viele Fotos und Aussichtspunkte später erreichten wir die City mit der Binnenalster, Trubel und Touristen, feinen Hotels und Geschäften und als Höhepunkt das Hamburger Rathaus – das protzigste und größte und schönste Rathaus, dass ich jemals gesehen habe. Nichts verdeutlicht den Stolz und den Reichtum der reichen Hamburger Bürgerschaft des 19. Jahrhunderts besser!

Wir hatten die 30 Kilometer längst überschritten, einen weiteren lieblosen VP passiert und waren uns einig, den Marsch zu Ende zu bringen. Die letzte Etappe entlang der Elbe und verschiedener Industriehafengebiete zog sich wie erwartet sehr in die Länge. Als Ausdauersportler braucht man vor allen Dingen: Ausdauer! Meine Füße schmerzten bei jedem Schritt und ich war mir sicher, den ganzen Fuß voller Blasen zu haben. Die letzten Kilometer begleitete uns eine nette Läuferin, die zum ersten Mal an einem Marsch teilnahm und von den Unterschieden zwischen Laufen und Marschieren überrascht war. Wir redeten über dieses und jenes, Laufschuhe und -socken und anderen Läufertratsch und hielten uns so gegenseitig bis zum Ziel bei guter Laune.

Ariane und ich bei unserem obligatorischen Brückenfoto. Es geht nicht ohne!

Wenn man so lange unterwegs ist, ist eine nette Begleitung das A und O. Danke, liebe Ariane, dass du mich begleitet hast. Alleine hätte ich diesen Marsch nicht bewältigt. Wir hatten uns in den letzten Jahren etwas aus den Augen verloren und eine Menge zu erzählen. Wir sprachen fast die ganze Zeit über Gott und die Welt, Kinder, Probleme, Hoffnungen und Ziele, über Banales, Schönes, Hamburg, ja sogar über Fußball.

Am Ziel

Schließlich war es vollbracht und wir erreichten steif und mit schmerzenden Füßen, aber glücklich, das Ziel. Danke, liebes Mammut, dass wir diese Marathon-Sightseeingtour durch Hamburg bei herrlichstem Wetter absolvieren durften!

Zurück im Hotel, nach einer gründlichen Dusche und einem Schläfchen kehrten die Lebensgeister zurück und wir stillten in einem benachbarten Restaurant unseren Hunger mit Schnitzel und Bratkartoffeln. Gegen 21 Uhr trudelte dann die 60-km-Crew ein, gut gelaunt und überraschend frisch und wir ließen zusammen den Abend mit einem Cocktail und Eierlikör ausklingen.

Hamburg Mammut – Ariane und ich am Ziel – km 42
Die 60-Kilometer-Heldinnen
Läufernahrung

Was bleibt?

Dieser Marsch war ein Genuss, eine Sightseeingtour durch Hamburg, die die ganze Schönheit dieser Stadt zeigt. Darum gibt es von mir einen uneingeschränkten Daumen hoch.

Normalerweise findet dieser Marsch im Februar statt. Zu dieser schmuddeligen und dunkeln Jahreszeit sollte man ihn nicht absolvieren. Ihr könnt euch die Strecke gern herunterladen (unten) und den Marsch bei schönem Wetter auf eigene Faust machen. Man kann die Strecke auch problemlos laufen.

Eine solche Strapaze sollte man möglichst in Begleitung absolvieren. Sucht euch einen oder mehrere nette Freund/-innen und macht euch zusammen auf!

Trotz schmerzender Füße hatte ich nicht eine einzige Blase und kaum Muskelkater; selbst meine Knie überstanden alles komplikationslos. Beschwerden hatte ich dagegen an den rückseitigen Sehnen des Knies, die mich abends ziemlich humpeln ließen.

Meine Ausrüstungsempfehlung sind entweder Straßenlaufschuhe oder leichter Wanderschuhe mit speziellen Wandersocken, dazu einen Wanderrucksack; auf Stöcke sollte man verzichten. Nehmt genug Nahrung und Getränke mit, weil die VPs nichts taugen. Ein Smartphone mit Navigation, Track und Powerbank sind unverzichtbar. Lasst euch Zeit und genießt den Weg.

Wandern macht glücklich!

Der Track

Gesamtstrecke: 42319 m
Gesamtanstieg: 1222 m
Download file: Hamburg Mammutmarsch 2021 - 42km.gpx

4 Comments

    • Es war wirklich sehr, sehr schön. Besonders interessant sind natürlich die Strecken entlang des Wassers. Man kann auch auf eigene Faust Stücke davon wandern. Wir werden bald persönlich daüber sprechen – ich freu mich!

  • Mensch Hans,

    das interessiert mich sehr. Da auch ich lieber Strecke als Wanderer bzw. Pilger zurücklege, werde ich so etwas auch mal machen. Tolle Leistung!
    Falls du in nächster Zeit eine Wanderung planst, so gib doch mal Bescheid.
    LG Elke

    • Das mache ich gern! Vielleicht organisieren wir so etwas einmal privat.
      Ich melde mich 🙂

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