Klosterlauf: Kuchen und Kultur

Ein Lauf wie ein Urlaubstag:
Marienmünster – Mönche – Mythen

Kloster Marienmünster: Groß und einsam liegt es inmitten einer menschenleeren Landschaft. Wer kann sich heute noch vorstellen, dass Klöster im Mittelalter die wirtschaftlichen Zentren waren und der Erschließung/Urbarmachung ganzer Landstriche dienten? Heute sieht man eine beeindruckende Anlage mit Kirche, Stallungen und Klostermauer.

Eine Kirche ist ein für uns ungewohnter Ort für eine Fotosession! In bunten Laufklamotten fühlten wir uns in der Kirche unwohl und sprachen nur flüsternd miteinander. Beim ersten Foto hatten wir ein merkwürdiges Gefühl – dabei ist eine Kirche doch kein Ort der Traurigkeit und Zurückhaltung, sondern vielmehr ein Ort der Lebensfreude und der Liebe. Wir haben die Fotos dann doch gemacht und hatten Spaß dabei!

Die Kirche ist in ihrer Größe erhebend und wir überlegten, wie die Menschen des Mittelalters, die in kalten und schmutzigen Holzverschlägen lebten, allein durch dieses Gebäude einen Eindruck von der Größe und der Macht ihres Gottes vermittelt bekamen.

Das Kloster Marienmünster ist wunderschön und einen Ausflug wert. Es war das Zwischenziel unseres Laufes und wir nutzten die Gelegenheit, dort im Klosterkrug eine kleine Erfrischung zu uns zu nehmen.

Die Klosterkirche Marienmünster
Das Kloster Marienmünster in einer malerischen Ansicht

Burg Schwalenberg

Wir hatten uns zuvor an der Burg Schwalenberg getroffen – das ist die Burg mit der Aussichtsterrasse und dem genialen Blick über das halbe Lipperland. Ich hatte letztes Jahr schon einmal darüber berichtet. Man kann hier wunderbar durch die Stadt Schwalenberg, aufs Mörth und bis zum Schloss in Schieder laufen (siehe Laufbericht Schwalenberg).

Die Burg Schwalenberg liegt groß und beeindruckend über dem gleichnamigen Ort. Burg-Puristen würden sagen, dass sie nichts Besonderes ist, da sie zu Beginn des 20. Jahrhunderts grundlegend umgebaut wurde und eigentlich nur ein großes Haus im pseudoromantischen Stil der Kaiserzeit um 1900 ist (ich spreche gern von “Kaiserkitsch”). Aber Kitsch kann auch sehr schön sein! Die Burg hat eine wechselvolle Geschichte hinter sich: Die Grafen von Schwalenberg erbauten die Stadt Schwalenberg und die erste Burg etwa ab 1228. Ähnlich wie die Edelherren von Lippe mit der Falkenburg (siehe Laufbericht zur Falkenburg) wollten sie damit ihr Land entwickeln und ihre Macht stärken.

Merkt Euch die Grafen von Schwalenberg – wir kommen gleich noch einmal auf sie zurück.

Burg Schwalenberg

Endlich laufen wir los!

Wir liefen also bei bestem Sonnenschein dort los. Wir wurden begleitet von Frieder: Frieder ist fast ein Jahr alt, schläft gern in seiner Karre und wurde von seinem Vater die ganze Strecke über Stock und Stein 23 km geschoben! Alle Achtung, Dirk!

Dirk und Frieder. Starke Leistung!

Wie es sich für eine Burgenlandschaft gehört, ging es ständig bergauf und bergab. Wir waren von besseren Wegen ausgegangen, liefen aber teilweise auf schmalen Singletrails oder cross durch den Wald. Dirk und Frieder mussten daher aufgrund der schlechten Wegverhältnisse eine andere Route wählen und holten uns dennoch bald wieder ein. So konnten wir tatsächlich die ganze Strecke gemeinsam meistern. Ein großes Lob an Frieder, der unerschrocken in seiner Karre saß und schlief und aß und ein glückliches Kind war! Er hat uns schon auf vielen Läufen begleitet.

Laufen auf Holzstegen
Der Guide (also ich) hatte leichtsinnig von gut laufbaren Strecken und Asphalt gesprochen 🙂

Oldenburg

Kurz vor Marienmünster gab es einen vorerst letzten Anstieg und wir liefen direkt auf die Oldenburg zu. Diese wurde um 1100 errichtet von Grafen, die offensichtlich zu Geld und Macht gekommen waren und sich – Achtung! – „Grafen von Schwalenberg“ nannten. Sie bauten auch die Burg in Schwalenberg und weil sie schon einmal dabei waren, dazu gleich das Kloster in Marienmünster.  Wir liefen also auf den Spuren der alten Grafen und ließen es uns nicht nehmen, ihre alte Burg zu besuchen. Heute gibt es nur noch den mächtigen Wohnturm aus dem 14. Jahrhundert, den sich die heutigen Eigentümer schick ausgebaut haben. Hier kann man es wohl aushalten! Wir nutzten die Gelegenheit für eine Fotopause.

Hätten wir den Lauf vielleicht lieber „Auf den Spuren der Grafen von Schwalenberg“ nennen sollen?

Die Oldenburg (Alte Burg)

Das Wetter war bestens, der Lauf ging prima und wir freuten uns auf unser Zwischenziel, das Kloster Marienmünster, bei dem unsere Lauffreundin Jolina auf uns wartete, um dort in unseren Lauf einzusteigen. Wie bereits erzählt, stärkten wir uns im Klosterkrug und besichtigten die Kirche, um dann den zweiten Teil unserer Runde zu absolvieren. Nach einer Pause ist es immer eine besondere Herausforderung, wieder hochzukommen und den müden Körper zum Weitermachen zu animieren.

Ein Holzbohlensteg führte uns zunächst an einem See mit Blick auf das Kloster vorbei und dann wieder in die Einsamkeit der Wälder und Felder zurück. Weit über allem thronte der Köterberg, die höchste Erhebung der Umgebung, und lud uns zu einem Besuch ein. Wir werden kommen, Köterberg, versprochen!

So liefen wir unseren Weg zurück nach Schwalenberg, Anstieg um Anstieg, Abstieg um Abstieg hinter uns lassend. Auf den Fotos seht Ihr, wie grandios das Wetter war. Zu dem Sonnenschein gesellte sich das herrliche frische Grün der Felder und Wälder und wir genossen unseren Lauf durch die frühlingshafte Natur. Die Wege waren übrigens meist besser als auf dem Hinweg, so dass Dirk und Frieder gut mitkamen.

Unser obligatorisches Brückenfoto. Keine Brücke ohne Foto!

Kaffee auf der Burg Schwalenberg

Die letzten Kilometer und besonders die letzten Anstiege wurden dann anstrengend, aber am Ende hatten wir es geschafft und kamen erschöpft und glücklich an der Burg an. Wir hatten einen Tisch reserviert und genossen auf der Terrasse die Aussicht und den Kuchen. Die Burggaststätte ist empfehlenswert und wir wünschen den Wirten ein gutes Gelingen! (Hier geht es zur Gaststätte)

Es war ein Lauf mit Freunden, wie ein Urlaubstag in der Natur, mit Spaß und Sport, mit Anstrengung und Leistung, mit Kuchen und Pommes am Ziel.

Das Trail Team Lippe an der Burg Schwalenberg

Der Track

Gesamtstrecke: 23131 m
Gesamtanstieg: 731 m
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1 Comment

  • was für ein tolles Programm!!!! da wäre ich gerne dabei gewesen ….und die Burg incl Aussicht möchte ich gerne das nächste Mal sehen!!!

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