Felslandschaften der böhmischen und sächsischen Schweiz

Grenzplatte

Mit Lukas starte ich in Schweizermühle, einem kleinen verlassenen Dörfchen an der tschechischen Grenze, er auf dem Rad und ich zu Fuß. An Ottomühle vorbei geht es durch die großen Waldgebiete, in denen sich Luchs und Wildkatze “gute Nacht” sagen, bis wir an der Grenzplatte sind. Wenn wir hier stehen, auf dieser glattgeschliffenen Felsformation ganz oben auf den Felsen, und den Blick in alle Richtungen des Bielatales und ins Tschechische schweifen lassen, dann wissen wir, warum die Grenzplatte ihren Namen trägt. Wie oft habe ich hier schon gestanden, allein oder mit anderen, und den Blick in diese Weite genossen! Es ist einfach so schön hier!

Obwohl ich noch in Deutschland bin, habe ich schon die Roamingwarnung erhalten und bin ins tschechischen Mobilnetz eingeloggt. Auf der deutschen Seite ist das Mobilnetz superschlecht, während wir in Tschechien endlich mal wieder mit der Welt verbunden sind.

Ringsum sehen wir die Felsformationen des Bielatales, für die diese Landschaft so berühmt ist, und ich weiß, dass es gleich noch viel spektakulärer wird.

Trailrunning-Chaos

Aber zunächst haben wir mit dem üblichen Trailrunning-Chaos zu kämpfen. Es passiert mir ausgesprochen selten, aber heute sind wir vom Start weg in die falsche Richtung gelaufen. Wer die Karte liest, ist eindeutig im Vorteil! Nach ein paar Improvisationen sind wir auf der geplanten Route, nur um gleich den nächsten Abzweig zu verpassen.

Endlich richtig und mit den Felsen vor Augen finden wir den Weg durch ordentliches (!) Flatterband abgesperrt und mit einem dreisprachigen (!) und freundlichen (!) Schild versehen, dass man hier bitte aus Naturschutzgründen bis Ende Juni nicht durchlaufen möchte. Eigentlich sind gesperrte Wege für Trailrunner ein untrügliches Zeichen, dass es nun interessant wird, aber wir denken an die tschechische Luchsmutter, die ihre Jungen sicher nicht irgendwelchen dahergelaufenen deutschen Trailrunnern zeigen möchte. Also noch ein Umweg für die Luchsmama!

So geht es dann noch ein wenig weiter. Alles schön und gut! Das macht Trailrunning aus: Die Natur ist nicht glatt und geplant, sondern wild und chaotisch, und so sind unsere Läufe.

Felslandschaften

Unser Ziel sind die Tyssaer Wände in Tschechien, wo wir uns durch die quadratkilometergroßen Felslandschaften treiben lassen. Mal sind wir ganz klein unten zwischen den Felsen, dann stehen wir ganz oben am Abgrund und genießen die Aussicht. Hier kann man stundenlang herumlaufen und sich verirren. Jede Felsengruppe hat ihren eigenen Namen. Ich könnte seitenlang davon schwärmen, aber dann wäre mein Blogbeitrag deutlich zu lang. Schaut Euch die Bilder an und kommt doch einfach mal mit in diese Traumlandschaft. Ich zeige sie Euch!

Das sind Trails …

“Touristenhütte Tisa” und Rückweg

Schlussendlich gelangen wir zu dem berühmten Ausflugslokal “Touristenhütte Tisa”, und wenn wir Geld eingesteckt hätten (die nächste Panne), hätten wir ein Stück leckeren tschechischen Kuchens essen können (die tschechische Küche ist berühmt!). So begnügen wir uns mit einem Müsliriegel und laufen genüsslich durch die Felsen eine seltsame Steineisenbahnline hinab bis nach Ostrow. Schnell geht es über die Grenze und auf geraden Waldwegen erholsam zurück bis nach Schweizermühle. Wir haben fast 30 Kilometer und viele gelaufene und gekletterte Höhenmeter hinter uns gelassen und sind voll der Sinneseindrücke dieses wunderbaren Tages.

Der Track ist gekürzt und überarbeitet, damit er nachlaufbar ist:

volle Distanz: 10940 m
Gesamtanstieg: 393 m
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1 Comment

  • Respekt Hans! Du bist ja total fit!
    Ich weiss nicht ob ich diese Energie noch hätte das zu leisten.

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