Teneriffa: Laufen in der Wüste

Seid Ihr schon mal in der Wüste gelaufen? Das ist ein – nun ja, sagen wir einmal – interessantes Erlebnis. Der Süden von Teneriffa ist mit ganzjährigem guten Wetter gesegnet – was auch ganzjährige Trockenheit bedeutet. Wir haben dort unseren Urlaub verbracht und es uns natürlich nicht nehmen lassen, die Gegend mit einigen Läufen zu erkunden. Ich bin im Urlaub der eher lauffaule Typ, aber lasse mich dann doch überreden. Wir haben zwei Laufausflüge unternommen, die wir direkt von unserer Wohnung aus starten konnten.

1 Laufen zum Vulkan

Unser erster Ausflug führte uns zu einem benachbarten ehemaligen Vulkan. Dieser ist ziemlich klein, wobei klein natürlich immer relativ ist. Es handelt sich um einen Kegel, der etwa so groß wie zwei Fußballplätze ist. Wenn ich mir vorstelle, wie dieser explodiert und seine Gesteinsmassen kilometerweit wirft, dann finde ich „klein“ allerdings sehr relativ.

Traillaufen in der Wüste zum Vulkan

Wir liefen also etwas an der Küste entlang bis zum Ende der Siedlung und befanden uns sofort in einer kargen und trockenen Gegend, die nur einige wenige, trockenharte Pflanzen beherbergte. Zahllose kleine Wege führten kreuz und quer und in Richtung des Vulkans. Das ist ein Paradies für Trailläufer mit schmalen, steinigen Wegen, die Trittfestigkeit erfordern, aber ein durchgehendes Laufen ermöglichen. Bald standen wir auf dem Gipfel des Vulkans und waren begeistert von dem Naturerlebnis. Der Wind wehte hier oben laut und mit ungezügelter Kraft und wir fühlten, dass wir uns mitten im Atlantik befanden. Die Aussicht ins Landesinnere und zur See war großartig.

Auf dem Vulkan
Auf dem Vulkan

Für unseren Rückweg hatten wir uns zwei kleine Berge vorgenommen, die sich vor unseren Augen aus der Wüste erhoben. In diesem Moment verzogen sich die dichten Wolken in unerwarteter Geschwindigkeit und gaben die Sonne frei. Eigentlich schön! Wenn nicht Teneriffa auf der Höhe von Nordafrika läge und die Sonne die gleiche Kraft wie in der Sahara hätte! Es war mittags, die Sonne brannte und wir hatten natürlich keine Sonnencreme mit. Also hieß es schweren Herzens den Lauf abzukürzen, die Berge zu umgehen und schnell den nächsten Schatten zu suchen.
Schatten in der Wüste? Wir bekamen mit unserem kleinen Ausflug einen Eindruck von dem, was Wüste bedeutet: Hitze, Unwirtlichkeit und Lebensfeindlichkeit.

Auf dem Rückweg

Übrigens: Kaum in der Wohnung angekommen, schoben sich wieder Wolken vor die Sonne …

2 Laufen in der Wüste

Wüste ist nicht schön. Wirklich nicht! Mein zweiter Lauf führte mich in die entgegengesetzte Richtung zum „Roten Felsen“. Ich hatte mir eine Strecke parallel zum Flughafen ausgedacht, die auf der Karte recht attraktiv wirkte, mich in der Realität aber durch eine öde Steinwüste führte, die stellenweise überhaupt kein Leben mehr beherbergte. Steine, Felsen, Geröll, Sand, Sonne und Hitze (diesmal nach meinen Erfahrungen spätnachmittags und mit Sonnencreme), unwirtliche Wege, Betonpisten. Ja, auch das kann Trailrunning sein und auch dieser Lauf war ein Erlebnis, aber Wüste ist etwas sehr Spezielles.

Felsen, Steine, Geröll – und sonst nichts

Und dann erlebte ich eine Überraschung in Form eines unerwarteten kleinen Wasserloches, das eine grüne Insel inmitten der Einöde schuf und mein Herz aufgehen ließ. Ein bisschen Wasser schafft in der Wüste buntes Leben und bietet Heimat für Tiere und Pflanzen. Wie großartig müssen solche Oasen in den großen Wüsten von Afrika sein!

Das Wasserloch in der Wüste schafft eine kleine Oase

Schließlich gelangte ich an mein Ziel – den „Roten Felsen“, der ins Meer hineinragt und mit seiner charakteristischen Form landschaftsprägend ist. Man kann ihn schon von weitem sehen. Ihm vorgelagert befindet sich ein großer Strand, der um diese Uhrzeit nur noch von einigen späten Gästen besucht wurde. Die umstehenden Wohnmobile waren bevölkert und Ruhe legte sich über die Szene. Ich lief an ein paar Hippies vorbei, die sich in den Höhlen am Strand eine Unterkunft gebaut hatten.

Blick auf den „Roten Felsen“

Der Rückweg führte mich dann in Richtung des Sonnenuntergangs am Meer entlang und auch hier war es knochentrocken mit lediglich einigen Kakteen, die hier gedeihen konnten.

Sonnenuntergang
Kakteen in der Wüste Teneriffas

Die Tracks

Gesamtstrecke: 11790 m
Gesamtanstieg: 219 m
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Gesamtstrecke: 12934 m
Gesamtanstieg: 267 m
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